IRIS Network ist das grösste Netzwerk unabhängiger Marktforschungsinstitute der Welt. Zweimal im Jahr trifft sich das Top-Management der Mitgliedsinstitute, um sich zu vernetzen, sich auszutauschen, neue Ansätze oder Trends in der Marktforschung zu diskutieren sowie internationale Kooperationen und Studien anzustossen.

Nachdem wir als Schweizer Mitgliedsinstitut das Treffen im April organisiert und veranstaltet haben, fand das jetzige Treffen Ende September in Tokio statt. Für intervista machten sich Julia und Katharina auf die weite Reise nach Japan. Welche Themen auf dieser Konferenz diskutiert wurden und welche Eindrücke sie aus der Weltstadt mit 9 Mio. Einwohnern mitgebracht haben, erzählen sie in ihrem Bericht.

 


Ankunft

Nach ca. 11 Stunden Flug landeten wir am Donnerstagmorgen endlich am Flughafen Narita Airport. Mit dem Zug ging es dann weiter Richtung Shinjuku Station, in dessen unmittelbarer Nähe sich unser Hotel befand. Wir haben deutlich mehr Menschenmassen im Zug erwartet, aber die Rush Hour war wohl schon vorbei. Dafür waren wir von der Vielzahl an kleinen Restaurants und den Spielhallen in Shinjuku überrascht, die auch tagsüber gut besucht zu sein scheinen.

Nach einer kurzen Sightseeing-Tour mussten wir uns erst einmal im Hotel ausruhen, bevor es zum Welcome-Dinner weiterging.

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Ausrichter des IRIS-Meetings war das japanische Mitgliedsinstitut Sugata Research, das wirklich hervorragende Arbeit geleistet hat. Das Welcome-Dinner am Abend fand in einem Izakaya, einem typisch japanischen Restaurant, statt. Der Name bedeutet so viel wie „Sake-Laden zum Sitzen“. Traditionell sassen wir daher auf dem Boden, was zuerst ziemlich ungewohnt war. Unsere Schuhe mussten wir, typisch für Japan, beim Betreten des Essensbereichs natürlich ausziehen. Izakayas haben immer einen Koch und bieten eine Auswahl von Speisen an. Es gab z.B. Sashimi (rohe Fischfiletstücke), Gyoza (Teigtaschen mit Fleisch gefüllt), Tempura (Fisch im Teigmantel) und ein leckeres Nabemono (ein Eintopf, der erst auf dem Tisch über offenem Feuer zu Ende kochte). Es war wirklich ein tolles Geschmackserlebnis. Zu Trinken gab es natürlich vor allem japanisches Bier.

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Tag 1

Die zweitägige iris-Konferenz in Tokio war tagsüber geprägt von vielen interessanten Vorträgen zu Methoden und Trendthemen sowie Diskussionen und Präsentationen zur Weiterentwicklung von IRIS.
Nach dem stimmungsvollen Welcome-Dinner am Ankunftstag, startete der erste Tag der Konferenz mit der Eröffnungsrede des Präsidenten. Traditionell stellte anschliessend Sugata Research, als Ausrichtungsmitglied, Land und Leute von Tokio sowie das Unternehmen Sugata in einer kurzen Präsentation vor, bevor es mit den Vorträgen losging. 

Ganz nebenbei haben wir dabei erfahren, dass es in Japan bis zu verschiedene 80 KitKat Sorten gibt; von Sake über Kürbis bis hin zu grünem Tee ist alles dabei. Wer hätte das gedacht. Natürlich probierten wir gleich ein paar Sorten, und das Kitkat mit grünem Tee ist nun Katharinas Lieblingssorte.

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Aktuell feiert IRIS sein 25jähriges Jubiläum und hat über 30 Mitglieder aus Ländern in Europa, Asien, Nord- und Südamerika sowie Australien. Jedes Land wird durch ein Marktforschungsinstitut vertreten. Davon waren 22 in Tokio präsent. Mit einem strengen Auswahlverfahren für Partnerinstitute gewährleistet das IRIS-Netzwerk hohe Qualitätsstandards und eine effiziente internationale Kooperation.
In Tokio hat sich Thailand als neues Mitglied vorgestellt und wurde nach eben diesen Qualitätsstandards aufgenommen. Die Performance von IRIS in Asien wird somit weiter gestärkt.

Neben dem neuen Branding des Netzwerkes war die global durchgeführte Health Care Studie von iris eines der Themen des ersten Tages. An der Durchführung haben sich 23 Mitgliedsländer aus 5 Kontinenten mit 21'300 Interviews beteiligt. Der Fokus der Studie lag unter anderem darauf, wie die Teilnehmer ihren persönlichen Gesundheitszustand wahrnehmen, welche Einstellungen sie zu nationalen Gesundheits-Standards und der Suche nach Unterstützung haben sowie ihrem Verhalten in Bezug auf Gesundheit, einschliesslich der Zahlungsbereitschaft für innovative Lösungen im Gesundheitswesen.
Auch für Ihre global oder international angelegten Studien steht uns ein weltweites Netzwerk zur Verfügung, auf das wir jederzeit zurückgreifen können. 

In den Pausen zwischen den Vorträgen hat Pepper, der hoteleigene Roboter, für Unterhaltung gesorgt. Er hat sich nicht nur mit uns unterhalten (auf Japanisch natürlich), sondern auch Geige gespielt oder zumindest so getan als ob. Faszinierend war wie menschlich er einem nach längerer Beobachtung vorkam.

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Den Abend liessen wir mit einem entspannten Dinner und einer Sightseeing-Tour durch den Stadtteil Shinjuku ausklingen. Zum Glück hat es am Abend ausnahmsweise mal nicht geregnet. Shinjuku wird zum einen von Hotel- und Bürohochhäusern und Elektroläden beherrscht. Zum anderen finden sich hier grosse Kaufhäuser, viele Shoppingmöglichkeiten, Kneipen und Restaurants sowie ein grosses Vergnügungsviertel.

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Dementsprechend waren die Strassen hell erleuchtet und voller Menschen, insbesondere sogenannte Salaryman, männliche Büroangestellte renommierter Unternehmen, die nach einem langen Arbeitstag mit den Kollegen auf ein paar Drinks gehen. Es schien so, als gehe das Leben nach der Arbeit erst so richtig los.

Die Krönung des Abends war ein fantastischer Panoramablick auf Tokio von dem 243 Meter hohen Rathausgebäude.

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Tag 2

Der zweite Konferenztag war von Fachvorträgen der Mitgliedsinstitute zu verschiedensten Themen geprägt. Wenn es dieses Mal einen auffälligen roten Faden gab, dann das Thema qualitative Online-Marktforschung:  

Katharina hielt einen Vortrag darüber, wie qualitative Online-Marktforschung Ideen und Entscheidungen beeinflussen kann. In diesem Zusammenhang stellte sie Hot Spot – unser neues Tool für die Analyse von Werbematerialien – vor und zeigte auf, wie wir qualitative Online-Pretests durchführen, um Ihre Fragebögen schnell und kostengünstig zu optimieren. Ausserdem war eine kürzlich von uns online durchgeführte Co-Creation-Studie Thema ihres Vortrages.
Das Team von Sugata Research aus Tokio berichtete über seine Erfahrungen mit qualitativen Online-Tagebüchern, woraufhin eine lebendige Diskussion über die Einsatzmöglichkeiten und verschiedenen zur Verfügung stehenden Online-Tools entfacht wurde. Online-Tagebücher sind eine bewährte Methode, um das Verhalten von Konsumenten besser zu verstehen. Auch wir haben bereits einige Best Practices und Case Studies zu cXplore – unsere innovative Research und Co-Creation-Plattform – vorgestellt.

Environics Research aus Kanada stellte zudem eine innovative Software vor: bigsofa. Diese Software wurde entwickelt, um Videos, z.B. von Einzelinterviews und Gruppendiskussionen, Bilder oder Audio-Content nach bestimmten Themen zu organisieren, zu teilen und zu analysieren. Dank unserer iris-Mitgliedschaft können wir diese Tools der anderen Mitglieder auf Anfrage ebenfalls nutzen. Mit bigsofa haben wir somit Zugang zu einer innovativen und einfach zu handhabenden Software, mit der wir einerseits die Erlebnisse Ihrer Kunden noch besser erfassen sowie Sie das Verhalten Ihrer Kunden noch besser verstehen und auf der anderen Seite bei einer grossen Anzahl von Interviews Ressourcen einsparen können.
Denn seit Kurzem führen wir auch persönliche Interviews via Skype für Sie durch. Diese persönlichen Interviews eignen sich vor allem dann, wenn die Zielgruppe räumlich und/oder zeitlich schwierig zu erreichen ist, eine grössere Anzahl an Interviews (in kurzer Zeit) realisiert werden soll oder das Budget knapp ist. All diese Gespräche werden aufgezeichnet und im Nachgang ausgewertet.

Diese Themenvielfalt beweist, dass auch in Zeiten von Big Data, qualitative Daten, also Small Data, nicht irrelevant geworden sind. Ganz im Gegenteil. Vor allem die qualitative Online-Marktforschung nimmt an Bedeutung zu. Es war mal wieder ein unvergessliches iris Meeting voller spannender Insights und einem regen Erfahrungsaustausch.